Während am Wahlsonntag viele Bürger*innen zu ihren Wahllokalen gingen, um ihre Stimme für die Demokratie abzugeben, setzten wir als Mitglieder des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen ein Zeichen gegen die Unwissenheit, die Ignoranz und das Vergessen. Insgesamt 27 Kinder, Jugendliche und Erwachsene machten sich auf den Weg, die in der Stadt verlegten Stolpersteine zu reinigen und den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken.
Die kleinen Messingtafeln, die in das Straßenpflaster eingelassen sind, erinnern an Mitbürger*innen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Doch mit der Zeit überzieht eine Patina die Inschriften – die Namen und Schicksale verblassen. Eine bedrückende Metapher für das, was ohne aktives Erinnern geschehen könnte. Um genau diesem Vergessen entgegenzuwirken, machten wir uns mit Schwämmen, Wasser und Metallpolitur ausgestattet daran, die Stolpersteine wieder zum Glänzen zu bringen. Aufgeteilt in drei Gruppen konnten so einige Stolpersteine gereinigt und mit einer weißen Rose versehen werden. Und das blieb nicht unbemerkt: Mehrere Passant*innen wurden auf unsere Aktion aufmerksam und blieben stehen, sodass wir ins Gespräch kamen. Am Ende legten wir die übriggebliebenen Rosen bei dem Gedenkort Jüdische Schule nieder.
Die zunehmende Fremdenfeindlichkeit und wachsende Intoleranz in unserer Gesellschaft mahnen besonders an einem Wahltag zur Wachsamkeit. Wir plädieren für ein tolerantes, respektvolles sowie friedliches Zusammenleben. Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten und so Defizite aus dem Elternhaus, der Gesellschaft oder der Schulbildung auszugleichen. Seit vielen Jahren schon legen wir ein besonderes Augenmerk auf dieses Thema, und haben so zum Beispiel im Jahr 2021 die Gedenkstätte Auschwitz besucht. Nachdem wir mit den mittlerweile neuen Jugendlichen und Gruppenleiter*innen im vergangenen Jahr die Gedenkstätte Bergen-Belsen besichtigt haben, planen wir für das Frühjahr 2026 erneut eine Fahrt nach Auschwitz, um uns weiter mit den Geschehnissen und Verbrechen der deutschen Geschichte zu beschäftigen.
So gefestigt wie die Demokratie durch die vielfach gesetzten Kreuze auf den Wahlzetteln erscheinen mag – so zerbrechlich ist sie doch auch, wenn wir nicht gemeinsam für Toleranz und gegen Diskriminierung sowie Rassismus einstehen. Die nationalsozialistischen Verbrechen begannen nicht mit Konzentrationslagern, sondern mit Hetze und Gleichgültigkeit! Lasst uns gemeinsam für unsere demokratischen Werte eintreten und Verantwortung zeigen!
Die Ems-Vechte-Welle hat uns bei der Aktion begleitet und einen Radiobeitrag erstellt:
In der Lingener Tagespost ist ein kleiner Artikel über die Aktion erschienen:
